In Deutschland hab ich mich
zwischendurch mal der Herausforderung gestellt für weniger, als
einen Euro Mittag zu essen. Ab, in den Supermarkt, versucht für
weniger, als einen Euro einzukaufen und gekocht. Geschafft hab ich's
nur einmal, rausgekommen ist Nuddelsuppe mit Kartoffel und Möhre
drin und wirklich satt geworden bin ich davon nicht. Wenn man dann
noch die Energiekosten dazurechnet könnte man sagen: Auf ganzer
Linie gescheiter...
In Indien geht ich in irgend ein
Straßenrestaurant (wo's nebenbei bemerkt, weder schlechter schmeckt,
noch unhygienischer zugeht, als in den größeren...), kann mir den
Bauch voll hauen, bis ich nicht mehr gehen kann, zahl umgerechnet 77
Cent und daran hat dann auch noch jemand verdient.
Zu essen gab's natürlich Reis. Reis
ist das Hauptnahrungsmittel in Indien – das, was in Deutschland
oftmals als Brotloch beschrieben wird, darf hier gerne als Reisluke
tituliert werden. Es gibt morgens, mittags und abends nicht anderes,
als Reis – bei den ärmeren immer in Form von Reiskörnern, bei den
nicht ganz so armen auch mal gerne in anderer Form.
Da nur Reis allein nur bedingt als
geschmacksintensiv bezeichnet werden kann und auf Dauer auch etwas
eintönig wäre, gibt’s ihn natürlich nicht nur einfach so,
sondern mit Samwa, einer Sauce, die aus gemahlenen Linsen und Gemüse
besteht, die großzügig über die ganze Reisportion verteilt wird
und diversen Chutneys.
Das ganze dürfte dem westlichen
Indienbesucher als „meal“ (eigentlich Mahlzeit im allgemeinen,
aber Indien und Englisch ist ein anderes Kapitel...) geläufig sein.
Das Essen wird bei bedarf (und ohne Aufpreis) nachgefüllt, bis man
satt ist. Gelegentlich muss man sogar besonders eifriges
Restaurantpersonal daran hindern nachzufüllen.
Für Europäer höchst ungewöhnlich:
Es gibt kein Besteck und sehr oft auch kein Geschirr.
Gegessen wird mit den Fingern...der
rechten Hand. Wir erinnern uns: Die linke Hand ist böse. Weshalb
werde ich nicht noch einmal ausführen – es gibt Dinge, über die
man einfach nicht im selben Atemzug reden sollte...
Was das Geschirr angeht: Zwischen dem
Essen und dem darunter befindlichen Tisch findet man in den meisten
Fällen ein Bananenblatt. Selbst, wenn es (Metall-)Geschirr gibt,
wird man ein solches unter den Nahrungsmitteln vorfinden.
| Handmodel diesmal: Valentina |
Ach, eine ganz wichtige Frage, die
unbedingt beantwortet werden wollte war da noch: Ist das indische
Essen wirklich so scharf, wie so gern behauptet wird?
Ja, das indische Essen ist um einiges
schärfer, als das europäische und zudem auch um einiges besser
gewürzt. In den größeren Touristenzentren wird man als Europäer
meistens sogar noch gefragt, ob das Essen normal gewürzt werden
soll, oder lieber nicht, aber oft sind die Europäer selbst dran
schuld, wenn's zu scharf ist, weil sie, anstatt vorsichtig zu
probieren, eine großzügige Portion von dem extrascharfen Chutney
genommen haben, die selbst der Durchschnittsinder nicht unbedingt
vertragen hätte...
Außerdem wird in Indien das Scharfe
meist zusammen mit etwas relativ Geschmacksneutralen gegessen.
Die Mischung machts...
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