Dienstag, 15. Mai 2012

The Indian way to eat


In Deutschland hab ich mich zwischendurch mal der Herausforderung gestellt für weniger, als einen Euro Mittag zu essen. Ab, in den Supermarkt, versucht für weniger, als einen Euro einzukaufen und gekocht. Geschafft hab ich's nur einmal, rausgekommen ist Nuddelsuppe mit Kartoffel und Möhre drin und wirklich satt geworden bin ich davon nicht. Wenn man dann noch die Energiekosten dazurechnet könnte man sagen: Auf ganzer Linie gescheiter...
In Indien geht ich in irgend ein Straßenrestaurant (wo's nebenbei bemerkt, weder schlechter schmeckt, noch unhygienischer zugeht, als in den größeren...), kann mir den Bauch voll hauen, bis ich nicht mehr gehen kann, zahl umgerechnet 77 Cent und daran hat dann auch noch jemand verdient.
Zu essen gab's natürlich Reis. Reis ist das Hauptnahrungsmittel in Indien – das, was in Deutschland oftmals als Brotloch beschrieben wird, darf hier gerne als Reisluke tituliert werden. Es gibt morgens, mittags und abends nicht anderes, als Reis – bei den ärmeren immer in Form von Reiskörnern, bei den nicht ganz so armen auch mal gerne in anderer Form.
Da nur Reis allein nur bedingt als geschmacksintensiv bezeichnet werden kann und auf Dauer auch etwas eintönig wäre, gibt’s ihn natürlich nicht nur einfach so, sondern mit Samwa, einer Sauce, die aus gemahlenen Linsen und Gemüse besteht, die großzügig über die ganze Reisportion verteilt wird und diversen Chutneys.
Das ganze dürfte dem westlichen Indienbesucher als „meal“ (eigentlich Mahlzeit im allgemeinen, aber Indien und Englisch ist ein anderes Kapitel...) geläufig sein. Das Essen wird bei bedarf (und ohne Aufpreis) nachgefüllt, bis man satt ist. Gelegentlich muss man sogar besonders eifriges Restaurantpersonal daran hindern nachzufüllen.

Für Europäer höchst ungewöhnlich: Es gibt kein Besteck und sehr oft auch kein Geschirr.
Gegessen wird mit den Fingern...der rechten Hand. Wir erinnern uns: Die linke Hand ist böse. Weshalb werde ich nicht noch einmal ausführen – es gibt Dinge, über die man einfach nicht im selben Atemzug reden sollte...
Was das Geschirr angeht: Zwischen dem Essen und dem darunter befindlichen Tisch findet man in den meisten Fällen ein Bananenblatt. Selbst, wenn es (Metall-)Geschirr gibt, wird man ein solches unter den Nahrungsmitteln vorfinden.


Handmodel diesmal: Valentina



Ach, eine ganz wichtige Frage, die unbedingt beantwortet werden wollte war da noch: Ist das indische Essen wirklich so scharf, wie so gern behauptet wird?
Ja, das indische Essen ist um einiges schärfer, als das europäische und zudem auch um einiges besser gewürzt. In den größeren Touristenzentren wird man als Europäer meistens sogar noch gefragt, ob das Essen normal gewürzt werden soll, oder lieber nicht, aber oft sind die Europäer selbst dran schuld, wenn's zu scharf ist, weil sie, anstatt vorsichtig zu probieren, eine großzügige Portion von dem extrascharfen Chutney genommen haben, die selbst der Durchschnittsinder nicht unbedingt vertragen hätte...
Außerdem wird in Indien das Scharfe meist zusammen mit etwas relativ Geschmacksneutralen gegessen.
Die Mischung machts...

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